Zeitungsartikel


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Strohballenhaus im Bau

Mit Strohballen wie Stein auf Stein bauen - Zeitungsartikel über die Strohballenhäuser in Bösel von Ch. Beyer

In Bösel entstehen zwei - noch - besondere Häuser. Wer als Kind auf dem Land groß geworden ist, kennt es: Buden bauen mit Strohballen. Wie Stein auf Stein wurden die Ballen aufeinander getürmt, Löcher für die Fenster und Türen gelassen, oben drüber kamen Bretter.

In Bösel im Lehmkuhlenweg entstehen zurzeit zwei Strohballenhäuser - keine kindlichen Buden, sondern »richtige» ein- und zweigeschossige Einfamilienhäuser. Entworfen hat sie der aus Holtorf stammende und in Lüneburg arbeitende Architekt Dirk Scharmer, der auch Vorsitzender des Fachverbandes Strohballenbau Deutschland ist. Erstellt werden sie von der Firma B.A.U. GmbH des Kolborners Uwe Kröger.

Die Strohballenhäuser entstehen fast so wie die Buden von einst, sie haben allerdings eine Holzständerkonstruktion für die Statik. Für die Außen- und Innenwände werden die Strohballen aufeinander geschichtet, vertikal versteift und komprimiert und dann von beiden Seiten mit Lehm verputzt. Das wars. Dabei entstehen relativ dicke und leicht geschwungene Wände von rund 50 cm Tiefe. Das eine Strohballhaus am Lehmkuhlenweg - ein eher klassisches Einfamilienhaus mit Satteldach - ist bereits vollständig mit Lehm verputzt, nur noch einige Reste lassen ahnen, dass sich hinter dem Lehm Stroh verbirgt. Allerdings gibt es in einem der Zimmer ein kleines verglastes Loch, das einen Blick auf die Strohdämmung ermöglicht. Heizkörper wird es in diesem Haus nicht geben. Die Heizungsrohre verlaufen im Lehmverputz, dadurch erwärmt sich die Wand und strahlt in den Raum.

Das zweite Haus - am Wochenende soll Richtfest gefeiert werden - wird mondäner sein, ein bewachsenes Pultdach und runde Wände haben. Gezeigt werden soll, dass Strohballenhäuser auch hochmodern sein können. Hier werden Interessierte in naher Zukunft beobachten können, wie die Strohballen wie übergroße Mauersteine eingesetzt werden.

Bei der Strohballenbauweise handelt es sich um eine seit fast 100 Jahren erprobte, aber erst vor wenigen Jahren wieder entdeckte ökologische Bauweise. Dirk Scharmer verweist auf das gesunde Wohnklima der Häuser, die im Winter warm und im Sommer kühl bleiben, sowie auf einen hervorragenden Dämmwert. Strohballen können regional bezogen werden, stammen quasi vom Acker nebenan und bieten im Vergleich zu anderen Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen den Vorteil, dass sie beinahe ohne weitere Verarbeitung direkt als handelsübliche Kleinballen eingesetzt werden können. Vor Feuer und Tieren brauchen sich die Strohballenhaus-Bewohner nicht zu fürchten. Eine lediglich mit Lehm verputzte Strohballenwand hielt bei einem Test an der Materialprüfungsanstalt in Braunschweig der genormten Feuerbeanspruchung über 90 Minuten stand. Und fachgerecht verbauten Strohballen können auch Ungeziefer und Nagetiere nichts anhaben, betont Scharmer. Allerdings sind Strohballenhäuser immer noch baurechtliche Besonderheiten. Mit dem kürzlich erlangten allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfungszeugnis ist, so der Architekt, eine wichtige Hürde im umfang-reichen deutschen bauaufsichtlichen Zulassungsverfahren genommen worden.

Die beiden Böseler Baustellen sind übrigens eine Attraktion: Im Juni hat Dirk Scharmer 35 Fachleuten aus dem gesamten Bundesgebiet vor Ort die Bauweise vorgestellt. Und auch immer wieder kommen Fernsehteams vorbei und verfolgen die Bauarbeiten.

Bild: Berge von Strohballen liegen auf der Baustelle am Lehmkuhlenweg in Bösel. Das Strohballenhaus im Hintergrund ist bereits mit Lehmverputzt - beim anderen wird noch an der Holzkonstruktion für die Statik gearbeitet. Bald werden auch hier Strohballen wie Mauersteine aufgeschichtet.

Elbe-Jeetzel-Zeitung online


Lehm
Der Lehmofen beim Durchtrocknen

Hamburger und Hannoveraner bauten Lehmrundofen - Zeitungsartikel zum Lehmofenbau von Doreen Schulze

Gohre. "Wir wollen vielleicht bald selbst ein Haus bauen und als Allergikerin favorisiere ich den Lehmgrundofen",erklärt Jutta Karlson. Die Hannoveranerin ist Mutter,Hausfrau und Hobbyheimwerkerin. Im Internet erfuhr sie von einem Seminar,organisiert durch die Euro-Schulen Stendal,in dem unter fachmännischer Anleitung der Bau eines Lehmgrundofens erlernt werden kann. Spontan meldete sich die junge Frau an und war bereits am Sonnabend in Gohre beim Ofenbau dabei. Gebaut wurde der Ofen im Haus von Thomas Schulze. Der Bauingenieur wollte in seinen eigenen vier Wänden in Gohre einen solchen umweltfreundlichen Ofen einbauen. An den Arbeiten für seine warme Stube ließ er die Teilnehmer des Seminars der Euro-Schulen teilhaben.

Auch Rüdiger Seydel aus Stendal möchte das Putzen mit Lehmmörtel,das er während des Seminars erlernte,für den Ausbau des eigenen Hauses nutzen. Der Krankenpfleger begeisterte sich für die Lehmbauweise nachdem er einen Zeitungsartikel las,in dem berichtet wurde,dass es einer Allergikerin besser ging,nachdem die Wände ihrer Wohnung mit Lehm verputzt wurden.

Lehm absorbiert Giftstoffe und schlechte Gerüche aus der Raumluft „Ein Lehmgrundofen ist ökologisch. Grundöfen werden ausschließlich mit Holz beheizt und besitzen keinen Ascherost“,so Bauingenieur und Lehmofenbauer Jörg Finger. Er verweist auf ein weiteres Qualitätsmerkmal des Baustoffes – die lange Speicherzeit. „Einmal am Tag befeuert,gibt er 24 Stunden lang Wärme ab“, erklärt Finger. Gebaut wird der Grundofen aus Ziegeln,Lehm mit Schamottmehl und für den Brennraum werden Schamottsteine verwendetet. Unter der Anleitung von Jörg Finger erlernten die sechs Seminarteilnehmer wie ein solcher Ofen gebaut wird,worauf bei der Arbeit geachtet werden muss und was für Materialien verwendet werden,sowie deren Besonderheiten.

Dass die eigene Kreativität, vor allem was die Gestalt der Ofenform angeht,nicht zu kurz kommt,bewertet Inge Mika aus Bargthhalde bei Hamburg positiv. Mika nahm bereits an einem Seminar Fingers teil und wollte in Gohre ihre Kenntnisse vertiefen. Trotz all dieser Erfahrungen weiß sie aber,dass das Seminar den Lehmbaumeister nicht ersetzen kann. Auch Jutta Karlson würde sich das Mauern des Ofens zutrauen, die Planung und Berechnung wird sie aber dem Fachmann überlassen.

Volksstimme Stendal